„Tiere haben ein Recht auf ihr Leben!“
Als Aktivistin setzt sich Juliane Schülke für Tierrechte und den damit verbundenen Tierschutz ein. Die heutige Vorsitzende des im vergangenen Jahr gegründeten Vereins Humans For Animals hat 2019 nicht nur den veganen Stammtisch in der Coburger Region ins Leben gerufen, sondern auch noch gemeinsam mit ihrer besten Freundin Mella initiiert, ein Straßenfest für Tiere zu veranstalten, das dieses Jahr am 18. Juli bereits zum dritten Mal in der Coburger Innenstadt gefeiert wird. Wir sprachen mit Juliane über ihr leidenschaftliches Engagement und den großen Zusammenhalt unter Frauen, die gemeinsam für eine Sache losgehen.
Juliane, du bist Tierschutz-Aktivistin. Was genau darf ich mir darunter vorstellen?
Liebe Christina, da darf ich gleich am Anfang etwas erklären, und das ist gut, dass ich es gleich jetzt schon aufgreifen kann, weil es bei dieser Bezeichnung „Tierschutz-Aktivistin“ oft eine Verwechslung gibt. Mich als Tierschutz-Aktivistin zu bezeichnen, ist nicht ganz falsch, greift aber etwas zu kurz. Eigentlich bin ich vor allem Tierrechts-Aktivistin. Der Tierschutz hilft Tieren, die bereits in Not geraten sind. Die Tierrechtsarbeit setzt grundlegender an: Sie beruht auf der Überzeugung, dass Tieren als fühlenden Lebewesen die gleichen Rechte zustehen wie uns, und dass ihre Interessen respektiert werden müssen. Denn wenn diese Rechte respektiert würden, bräuchten wir einen Großteil des heutigen Tierschutzes gar nicht mehr. Deshalb liegt mein Schwerpunkt auf der Tierrechtsarbeit – ohne dabei die wichtige Tierschutzarbeit aus den Augen zu verlieren.
Ich verstehe, über diese Unterscheidung habe ich tatsächlich noch nicht nachgedacht. Siehst du, so wichtig, dass wir darüber differenziert sprechen. Wie und wann kam es denn zu deinem Aktivismus?
2018 gab es einen Moment in meinem Leben, der mir die Augen geöffnet hat, wie wir mit Tieren in unserer Gesellschaft umgehen – und ich war lange Zeit fassungslos, ich fühlte mich wie gelähmt, war schmerzerfüllt. Die Erkenntnis, was wir Menschen unseren Mitlebewesen antun, und dass ich ein Teil davon bin, hat mich sehr tief getroffen. Vegan zu leben – und somit im Einklang mit meinen Werten – war für mich eine logische Konsequenz. Aber das allein reicht in meinen Augen nicht. Die Tiere haben es verdient, dass wir uns für sie einsetzen und stark machen – und mithelfen, dass ihr Leiden endlich beendet wird. Sie brauchen uns und unsere Stimmen. Sie haben nämlich sonst niemanden.
Deshalb habe ich mich dann auf die Suche nach Gleichgesinnten gemacht und so wurde ich Aktivistin. Das war dann im Jahr 2019.
„Wir sollten alle die Stimme erheben, wo auch immer uns Tierleid begegnet“
Wie würdest du deine ganz persönliche Vision beschreiben, die dich antreibt?
Ich bin nicht dafür gemacht, in meinem stillen Kämmerlein für mich vegan zu sein und zu hoffen, dass es irgendwann auch die anderen verstehen. Ich möchte aufklären, mit Menschen sprechen und sie dazu bewegen, es uns gleich zu tun. Das ist mein Weg, mich gegen dieses Unrecht zur Wehr zu setzen. Denn die Tiere haben ein Recht auf ihr Leben – genau wie wir.
Ich glaube nicht länger, dass Tiere dazu da sind, dass wir sie essen, anziehen, sie uns unterhalten, wir an ihnen herumexperimentieren oder sie anderweitig ausbeuten. Tierschutz bedeutet, mit helfenden Händen und offenen Herzen durch die Welt zu gehen, nicht wegzusehen. Wir sollten alle die Stimme erheben, wo auch immer uns Tierleid begegnet.
Vegan zu leben ist Einstellungssache, keine Ernährungsform: Juliane und ihr Team wünschen sich, dass möglichst viele Menschen vegan leben – ob bei Lebensmitteln, Kosmetik oder Freizeitaktivitäten wie etwa Zirkusvorstellungen. Im Mittelpunkt steht, dass Tiere nicht ausgebeutet werden.
Versteht es sich von selbst, dass du deswegen vegan lebst?
Tierschutz geht nur vegan. Ich kann nicht einerseits Tiere retten und schützen und andererseits Produkte kaufen, von denen ich weiß, dass den Tieren dafür etwas angetan wurde, was ich selbst nie tun würde.
Was sagst du zu einer Vegetarierin – zum Beispiel zu mir 😉 – ist sie noch einen wesentlichen Schritt vom Tierschutz entfernt?
Ich würde dich fragen, warum du Vegetarierin bist. Der Grund ist wahrscheinlich, dass du nicht möchtest, dass Tiere für dich getötet werden. Deinen Schritt zum Vegetarismus respektiere ich, weil er zeigt, dass du Mitgefühl für Tiere hast und bereits Konsequenzen aus deinen ethischen Überzeugungen gezogen hast. Aus meiner Sicht ist dieser Weg aber noch nicht zu Ende gegangen. Denn leider ist es so, dass für Milch, Eier, Käse usw. die Tiere genauso ausgebeutet und ermordet werden, sobald sie ihren Zweck erfüllt haben.
Vegetarismus beendet die Ausnutzung und Tötung von Tieren also nicht. Deshalb sehe ich ihn lediglich als ersten Schritt in die richtige Richtung. Wenn das Ziel wirklich der Schutz der Tiere ist, dann endet die Frage nicht beim Fleisch. Dann sollte man auch alle anderen tierischen Produkte kritisch hinterfragen.
Das ist einleuchtend und richtig, gleichzeitig gebe ich zu, dass ich mir noch etwas schwer tue, Eier und Milchprodukte konsequent wegzulassen…
Weißt du, für mich lautet die entscheidende Frage: Wenn wir Tiere nicht töten wollen, weil ihr Leben einen Wert hat, warum sollten wir dann akzeptieren, dass sie für uns genutzt, ausgebeutet und anschließend getötet werden? Genau an diesem Punkt beginnt Veganismus, der primär eine ethische Einstellung ist und keine Ernährungsform. Der Schritt zum Veganismus ist übrigens nicht so schwer, wie allgemein gedacht. Wenn du magst, kann ich dich dabei unterstützen, ihn zu gehen.
Das ist ein liebes Angebot, ich werde auf jeden Fall jetzt noch achtsamer als sowieso schon meine Lebensmittel in Bezug auf das Tierwohl aussuchen. Aber erzähl doch mal, wie du auf die Idee gekommen bist, einen veganen Stammtisch zu gründen?
Die Idee kam auch 2019, gleichzeitig mit dem Aktivismus. Wir waren damals eine kleine Gruppe von Leuten, die alle mit diesem Weltschmerz konfrontiert waren und einfach nur gemeinsam Zeit verbringen wollten, Gespräche führen und sich nicht dafür rechtfertigen müssen, dass KEIN totes Tier auf dem Teller liegt. Mit den Jahren wurde die Gruppe immer größer. Inzwischen sind wir regelmäßig 20-30 Personen. Wir treffen uns immer in wechselnden Lokalen in der Coburger Region, um uns auszutauschen, neue Leute kennenzulernen und natürlich lecker vegan zu essen. Außerdem wollen wir den Gastwirten zeigen, dass die Nachfrage nach veganen Gerichten da ist und wie einfach es ist, diese zuzubereiten. Wir haben damit schon bei so manchem Restaurant erreicht, dass das eine oder andere Gericht auf die Karte gesetzt wurde.
Vorfreude auf den 18. Juli: Beim 3. Straßenfest für Tiere in der Coburger Spitalgasse erwarten Besucherinnen und Besucher zahlreiche Aktionen.
Der Stammtisch ist ja eine der Aktivitäten von Humans For Animals, der gemeinnützigen Organisation, die du ins Leben gerufen hast. Eine weitere, die ja schon größer und wohl auch noch bekannter ist, ist euer Straßenfest für Tiere, das am 18. Juli diesmal bereits zum dritten Mal in der Fußgängerzone der Coburger Innenstadt stattfindet. Was passiert da?
Beim Straßenfest für Tiere geht es darum, Tierschutz sichtbar und für alle erlebbar zu machen. Dieses Jahr stellen 28 verschiedene Vereine und Organisationen ihre Arbeit vor und können sich auch gegenseitig kennenlernen. Das war nämlich von Anfang an eine der wichtigsten Ideen dahinter: Menschen zusammenzubringen, die alle für dieselbe Sache kämpfen. Es geht aber nicht nur um Hunde und Katzen, sondern zum Beispiel auch um Igel, Wildvögel, Kühe, Hühner oder Tiere in Tierversuchen.
Die Besucher bekommen dort ganz praktische Informationen und können direkt mit den Menschen sprechen, die sich in diesen Bereichen auskennen. Das ist uns besonders wichtig, weil viele Menschen zwar helfen möchten, im Ernstfall aber gar nicht wissen, an wen sie sich wenden sollen, zum Beispiel, wenn ein Vogel gegen eine Fensterscheibe geflogen ist oder sie einen verletzten Igel finden.
Es ist also eine Art Infoveranstaltung?
Auch, aber nicht ausschließlich. Es ist wirklich ein Fest! Es gibt Essen – dieses Jahr von der „Alten Henne“ aus Hohenstein – sowie zahlreiche Aktionen für Kinder, wie Basteln und Kinderschminken, natürlich Musik und an unserem eigenen Stand kostenloses veganes Fingerfood zum Probieren. DJ Schorsch aus Bamberg ist nämlich auch wieder dabei, da freuen wir uns sehr! Uns ist einfach wichtig, dass Menschen in einer schönen, offenen Atmosphäre mit Tierschutz in Berührung kommen und dabei merken: Da steckt ganz viel Herzblut drin, aber auch ganz viel Gemeinschaft und Freude.
Mit Daniel Polzer von der Weinstube Alte Henne habt ihr ja einen tollen Unterstützer gefunden, was wird Daniel vor Ort zum Verkauf anbieten?
Ja! Ich bin sehr froh darüber, dass Daniel und sein Team uns dieses Jahr beim Straßenfest kulinarisch unterstützen wird. Im Angebot sind verschiedene leckere vegane Sachen, u.a. ein Döner, den wir bei einem Probeessen schon kosten durften und der sensationell schmeckt. Man merkt gar keinen Unterschied zum tierischen Pendant!
Juliane, wenn du eine Person triffst, die von der Tierhaltung lebt – was entgegnest du?
Ich glaube, im Grunde ihres Herzens wollen die wenigsten Menschen auf Kosten anderer leben und jemandem Schaden zufügen. Deswegen ist der logische Schritt ja, vegan zu leben und die Tiere einfach in Ruhe zulassen. Für Menschen, die von der Tierhaltung leben, ist das natürlich zunächst ein sehr schwieriges und verständlicherweise sehr emotionales Thema.
Ich würde sie zunächst fragen, wie es ihnen damit geht, wenn sie z.B. ihre aufgezogenen Tiere zum Schlachter bringen müssen. Viele Bauern berichten nämlich davon, dass das sehr hart für sie ist. Man hat eine Bindung zum Tier aufgebaut, kennt es von klein auf, war bei der Geburt dabei und nun lässt man es töten… obwohl es Alternativen gibt.
Viele von ihnen haben sich heute schon entschieden, einen neuen Weg zu gehen, wie etwa Phil Hörmann. Sie beenden die Tierhaltung und stellen ihre Höfe auf pflanzliche Produkte um. Sie berichten dann, dass sie sich deutlich besser fühlen und dass es die beste Entscheidung ihres Lebens war.
Am Aktionsstand des Vereins Humans For Animals gibt es vegane Snacks zum kostenlosen Probieren. Karin (links im Bild) und Juliane freuen sich auf einen offenen Austausch mit Interessierten.
Wo siehst du unsere Ernährungsform in 20 Jahren?
Das hängt für mich vor allem davon ab, ob wir Menschen wieder einen stärkeren emotionalen Bezug zur Natur und zu den Tieren entwickeln. Heute ist die Entstehung unserer Lebensmittel etwas sehr Abstraktes geworden. Der Weg vom lebenden Tier bis zum fertigen Produkt im Supermarkt bleibt meist unsichtbar. Wir sehen das Endprodukt, nicht den Prozess dahinter. Genau deshalb fällt es vielen Menschen schwer, sich mit den Auswirkungen ihrer Konsumentscheidungen auseinanderzusetzen.
Wenn es uns gelingt, Tiere wieder stärker als fühlende Lebewesen mit eigenen Bedürfnissen und Interessen wahrzunehmen, dann sehe ich gute Chancen, dass sich unsere Ernährung langfristig in eine pflanzliche und mitfühlende Richtung entwickelt. Deshalb halte ich Aufklärung und Aktivismus für so wichtig. Ich spreche seit rund sieben Jahren mit Menschen auf der Straße über diese Themen. Mein Eindruck ist, dass sich immer mehr Menschen bewusst damit auseinandersetzen, woher ihr Essen kommt und welche Folgen ihre Entscheidungen haben. Veränderungen geschehen oft langsam, aber sie haben bereits begonnen. Ein Blick in die Supermarkregale bestätigt das.
Wenn du auf die Entwicklung speziell von Humans For Animals blickst: Worauf bist du besonders stolz?
Was mich besonders stolz macht, ist zu sehen, wie meine Mädels und ich im Laufe der Zeit als Team zusammengewachsen sind. Wir haben alle den gemeinsamen Wunsch, uns für die Tiere einzusetzen und für sie etwas zu verändern. Jede bringt sich auf die Weise ein, die ihr liegt und ihren Stärken entspricht. Deshalb funktionieren wir so gut als Team! Wir können uns aufeinander verlassen und haben schon sehr viel gemeinsam erreicht. Ich bin unglaublich froh und dankbar, mit solchen tollen Menschen zusammenarbeiten zu dürfen und schätze jede von ihnen sehr.
Du möchtest sie gerne kurz vorstellen, nicht wahr?
Ja, ich würde die Gelegenheit hier im Interview gerne nutzen, lieben Dank! Da sind Katja, Ellen, Karin, Lea und Laura, die im Straßenaktivismus Gesicht zeigen und sich mit viel Herzblut für die Tiere einsetzen. Da ist Heike, unsere 2. Vorsitzende, die mit ihrer Pflegestelle hilfsbedürftige Tiere versorgt. Da ist Marieke, die als Pressesprecherin unsere Themen nach außen trägt. Da ist Alex, die sich mit viel Engagement um unsere Webseite kümmert und dafür sorgt, dass Menschen uns und unsere Arbeit finden können. Und da ist natürlich meine beste Freundin Mella, die mir immer mit Rat und Tat zur Seite steht und mich außerdem mit ihrer Erfahrung bei Fragen rund um gerettete Tiere und Notfälle unterstützt. Es gibt noch viele weitere Helferinnen und Helfer, die oft im Hintergrund wirken, organisieren, Ideen entwickeln und anpacken, wenn Hilfe gebraucht wird.
Besonders schön ist, dass aus unserem gemeinsamen Engagement für die Tiere im Laufe der Zeit echte Freundschaften entstanden sind. Genau dieses Miteinander, dieses Vertrauen und diese Verbundenheit machen unsere Stärke aus und sind ein wichtiger Teil unseres Erfolgs.
Wie kann man euer Engagement unterstützen?
Jeder kann uns auf die Weise unterstützen, die am besten zu ihm passt. Wer sich aktiv engagieren möchte, kann uns bei unserer Aufklärungs- und Tierrechtsarbeit unterstützen. Wer lieber im Hintergrund helfen möchte, kann unsere Arbeit mit einer Geld- oder Futterspende fördern oder Fördermitglied in unserem Verein werden. Diese Spenden machen unsere tägliche Tierschutzarbeit überhaupt erst möglich. Auch Sachspenden werden immer wieder benötigt. Ganz egal, wie die Unterstützung aussieht: Jeder Beitrag hilft den Tieren. Alle Informationen dazu findet man auf unserer Homepage.
Die Liebe zu Tieren ließ Juliane zur Aktivistin werden: Ihre drei eigenen Vierbeiner – hier mit Hündin Asia – hat sie aus dem Tierschutz adoptiert.
Noch eine persönliche Frage: Hast du eigentlich selbst Tiere?
Ja, mein Mann und ich haben drei Hunde aus dem Tierschutz adoptiert. Zwei von ihnen sind über den Coburger Verein mille animali e.V. zu mir gekommen, der dritte über den Verein Straßenhunde Mazedonien.
Weitere Infos:
Der Verein Humans For Animals mit 14 Mitgliedern wurde offiziell 2025 gegründet, das Team hat aber vorher schon zusammengearbeitet. Weitere Infos – speziell auch zur Erklärung zu Veganismus – sowie Kontaktaufnahme über humansforanimals.de
schoen.frau-Steckbrief
Sandra Nazarenko
Geburtstag: 12.01.1970
Wohnort: Ebersdorf
Ausbildung/Beruf: Friseurin und Fachkauffrau für Marketing/Inhaberin von Betreuungsdienstleistner
Gründung des eigenen Unternehmens: 01.11.2016
Was macht dich glücklich? Mich macht es glücklich, Ideen umzusetzen, Menschen zu vernetzen und Lösungen zu schaffen, die das Leben leichter machen. Echte Begegnungen und Gespräche, in denen Vertrauen entsteht, sowie die kleinen Momente im Alltag, in der Natur oder mit Menschen, die mir wichtig sind.
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